Eine feministische Betrachtung des Schlankheitswahns

Interview-Special mit Dr. Irmgard Hülsemann

Egal wie alt, egal wie dick oder dünn und egal welchen natürlichen Körpertyp wir haben, wir hungern nach der “Idealfigur”. Nur wessen Ideal ist das eigentlich? Warum wollen wir schlank sein? Warum erscheint uns Schönheit so unheimlich wichtig?

Mit der Psychotherapeutin Dr. Irmgard Hülsemann beleuchte ich in dieser Episode den herrschenden Schlankheitswahn aus einer feministischen Perspektive. Aber das Patriarchat existiert doch gar nicht mehr! Hmm, das würde ich auch sagen, wenn ich das Patriarchat wäre. Der alltägliche Diätwahn ist so normal geworden, dass wir überhaupt nicht mehr darüber nachdenken, was uns eigentlich antreibt. Während Männer Karriere machen, machen Frauen Diät. Während Männer Raum einnehmen, machen Frauen sich dünne. Während Männer ihr Leben leben, sind Frauen damit beschäftigt, ihre Körper zu „optimieren“.

Um es mit Naomi Wolfs Worten aus ihrem Buch „The Beauty Myth“ zu sagen: „Eine Kultur, die fixiert ist auf weibliche Dünnheit, ist nicht besessen von weiblicher Schönheit, sie zeigt eine Besessenheit über weiblichen Gehorsam. Diäten sind das stärkste politische Beruhigungsmittel in der Geschichte der Frauen; eine leise verrückte Gesellschaft ist eine handhabbare.“

Es kommt nicht von ungefähr, dass eine der ersten Forderungen der neuen Frauenbewegung in den 1970 Jahren war: Mein Bauch gehört mir! Wenn wir Gleichberechtigung und Freiheit wollen, müssen wir erst mal uns selbst befreien. Und das fängt mit unserem eigenen Körper an.

Iss doch, was du willst! Podcast Episode 22: Eine feministische Betrachtung des Schlankheitswahns

Shownotes

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Es ist nicht immer leicht, gegen den Strom zu schwimmen und mit Health at Every Size die Glaubenssätze der Gesellschaft herauszufordern. Daher möchte ich dir gerne **4×10 Antworten gegen Fettphobie und Bodyshaming** an die Hand geben, sodass du in verschiedenen Situationen wie in der Familie, auf der Arbeit, beim Arzt oder beim Essen nie wieder sprachlos bist, wenn jemand deinen Körper oder deine Essensauswahl beschämt.

Du kannst dir die Antworten kostenlos auf meiner Homepage runterladen: https://antoniepost.de/antworten-fettphobie-bodyshaming/

Disclaimer: Dieser Podcast dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken, ist kein Ersatz für eine individuelle medizinische oder psychische Gesundheitsberatung und stellt keine Therapeut-Patient-Beziehung dar.

Falls du Hilfe brauchst wende dich z. B. an: https://www.bzga-essstoerungen.de/ oder Telefon: 0221-892031 (Es fallen die Kosten für Gespräche ins Kölner Ortsnetz an). Das Beratungstelefon der BZgA steht Betroffenen, Angehörigen und anderen Personen für Fragen rund um Essstörungen zur Verfügung. Die Berater unterliegen der Schweigepflicht.

https://www.zeit.de/kultur/2020-08/ungesunde-schoenheitsideale-frauenkoerper-feminismus-mutter-tochter/komplettansicht (leider nur im Abo und nicht frei verfügbar)

https://www.refinery29.com/de-de/cellulite-mythos-entstehung-vogue-patriarchat

Irmgard Hülsemann: Ihm zuliebe? Abschied vom weiblichen Gehorsam; Fischer, 1994

Irmgard Hülsemann: Mit Lust und Eigensinn – Die weibliche Eroberung des Glücks; Fischer, 1991

Jean Baker Miller: Die Stärke weiblicher Schwäche; Fischer, 1989

Anuschka Rees: Beyond Beautiful – Wie wir trotz Schönheitswahn zufrieden und selbstbewusst leben können; DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG 2019 (an sich ein gutes Buch, leider ist das Konzept der Intuitiven Ernährung falsch dargestellt)

Zum Weiterhören:

Episode 21: „Dieser Trend ist kein Empowerment! – Warum #samebodydifferentpose der Körperakzeptanz-Bewegung schadet“

Noch mehr Bücher:

Sabrina Strings: Strings, S: Fearing the Black Body: The Racial Origins of Fat Phobia; New York University Press, 2019

The Body Is Not an Apology: The Power of Radical Self-Love; Berrett-Koehler Publishers, 2018

The Beauty Myth: How Images of Beauty Are Used Against Women; Harper Perennial, 2002

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