Doch, dein Körper braucht Kohlenhydrate!

Warum Low Carb nicht unbedingt gesund ist

Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram einen Beitrag gepostet, der hieß: „Lebensmittel, die du lieber nicht essen solltest“. Der erste Satz der Caption war: „Ja, es gibt definitiv Lebensmittel, die du lieber nicht essen solltest, aber nicht, weil sie ‚zu viele‘ Kalorien haben oder Kohlenhydrate enthalten.“ Eine Followerin hat den Post folgendermaßen kommentiert: „Kohlenhydrate kommen im Blut immer als Zucker an. Der Körper ist nicht darauf angewiesen. Er bedient sich immer zuerst an den KH-Speichern. Wenn die leer sind, geht er an die Fettdepots. Den Zucker, den das Gehirn braucht, kann der Körper selbst bilden, aus guten Fetten und Eiweiß.“

Dieser Kommentar ist nicht grundlegend falsch, so aber auch nicht richtig. Man muss das viel differenzierter betrachten. Ja, das stimmt, unser Körper kann beispielsweise aus Proteinen Glucose, also Zucker, herstellen. Aber ob du daraus schließen kannst, dass du langfristig keine Kohlenhydrate brauchst, das klären wir in der heutigen Episode.

Shownotes

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Disclaimer: Dieser Podcast dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken, ist kein Ersatz für eine individuelle medizinische oder psychische Gesundheitsberatung und stellt keine Therapeut-Patient-Beziehung dar.

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Comments

  1. Irene/Hella

    Kohlenhydrate! Genau mein Thema!
    Danke für diese für mich wirklich aufschlussreiche Episode!

    Mir brennt noch eine Frage unter den Nägeln:
    Ich habe Autoimmunkrankheiten und als ein Patient mit solchen Krankheiten, werde ich immer wieder folgender Aussage konfrontiert:
    Kohlenhydrate, insbesondere Weizen, oder vielleicht auch Gluten – so genau weiß man das dann auch wieder nicht 🤪 – würden Entzündungen fördern und sollten deshalb von Patienten mit autoimmun bedingten Erkrankungen gemieden werden.
    Kennst Du da Untersuchungen/ Erhebungen/Quellen, die das untermauern oder widerlegen?

    Liebe Grüße und vielen Dank!

    1. Dr. Antonie Post

      Hallo liebe Hella,

      ja, diese Aussagen kenne ich nur zu gut und ja, ich habe solche Dinge früher auch geglaubt. Die wissenschaftliche Datenlage in dem Bereich ist allerdings mehr als dürftig (um das mal wohlwollend auszudrücken). Wir suchen Erklärungen und wollen einfache Lösungen – das ist einfach nur menschlich – und momentan sind eben die Kohlenhydrate “die Bösen”. Vor dreißig Jahren war das noch das Fett und wer weiß, wer der Sündenbock im Jahr 2030 auf dem Teller ist (ich hoffe ja, es wird keinen mehr geben und wir haben die Lektion gelernt, dass es uns ungesünder macht, Lebensmittel zu moralisieren, aber wir werden sehen). Das Problem an solchen Aussagen wie “Weizen fördert Entzündungen” (wahlweise könntest du hier auch Milch, Zucker oder Fast Food etc. einfügen) ist, dass wir unsere Ernährung auf einzelne Nährstoffe runterbrechen, um eine einfache Erklärung zu finden, und dann wird dementsprechend Forschung dazu gemacht. Das kann verdammt schief gehen, mein “Lieblingsbeispiel” ist hier die CARET-Studie. Zum Hintergrund: Ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse korreliert invers mit dem Lungenkrebsrisiko, das bedeutet, isst du viel davon, ist das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken statistisch gesehen geringer. Der Betacarotin-Plasmaspiegel korreliert ebenfalls invers mit dem Lungenkrebsrisiko. Die Annahme war, dass (bestimmtes) Obst und Gemüse viel Betacaroten enthalten, wenn man also den den Plasmaspiegel beispielsweise durch Betacaroten-Supplemente anhebt, müsste das Lungenkrebsrisiko sinken. Logisch, oder? Es war aber das Gegenteil der Fall: In der CARET-Studie wurden vier Jahre täglich 30 mg Betacaroten plus 25.000 I.E. Vitamin A verabreicht. An der Studie nahmen über 18.000 Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko im Alter von 45 bis 69 Jahren teil (Raucher, ehemalige Raucher, Asbestarbeiter).Das Lungenkrebsrisiko ERHÖHTE sich im Vergleich zu Placebo um 28 Prozent, die KHK-Mortalität ERHÖHTE sich um 26 Prozent. Was war der Denkfehler? Wir essen Lebensmittel, nicht einzelne Nährstoffe. Unsere Ernährung ist unfassbar komplex und die vielen verschiednen Nährstoffe neigen dazu, im Zusammenhang mit der allgemeinen Ernährung und Lebensweise auf eine Weise zu interagieren, die wir in der Laborforschung nicht mal ansatzweise nachstellen geschweige denn erklären können. Wir können nicht auf dieselbe Weise über Ernährung denken, wie wir über beispielsweise Medikamente denken (hier kann ich dir die Podcast-Episode Nr. 4 “Ernährung ist nicht alles” https://antoniepost.de/2020/07/22/ernaehrung-ist-nicht-alles/ und Nr. 6 “Essen ist keine Medizin” https://antoniepost.de/2020/08/05/essen-ist-keine-medizin/ ans Herz legen, falls du das Thema vertiefen willst).

      Haben Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Stress einen Einfluss auf unsere Entzündungswerte? Selbstverständlich! Aber das rechtfertigt es noch lange nicht, einem einzelnen (Makro)nährstoff übermäßig die Schuld zuzuschreiben. Anstatt dasss wir auf Ernährung und das Essverhalten als Ganzes schauen, fokussieren sich viele auf einzelne Inhaltsstoffe, weil das ihre Argumente stärkt. Es wird sich kein Buch mit dem Titel “Vielleicht ist es nicht so wirklich toll, wenn wir viele Kohlenhydrate essen, aber keiner weiß das so genau und es kommt auch immer auf die Lebensumstände an” verkaufen (hallo Diätkultur!). Ich bin mir sicher, wenn Ärzt:innen empfehlen, weniger Kohlenhydrate zu essen, dann i.d.R. aus einer guten Intention heraus. Leider haben wir immer noch nicht flächendeckend auf dem Schirm, dass Gesundheit nicht nur Blutwerte sind, sondern auch die geistige Gesundheit eine sehr wichtige Rolle spielt. Bei einem Menschen mit einer chronischen Diät- oder Essstörungsvergangenheit kann ein solcher Rat mehr Schaden anrichten als nutzen.

      Die Aussage, dass ein bestimmtes Lebensmittel oder eine bestimmte Lebensmittelgruppe Entzündungen fördert, ist so einfach nicht haltbar. Diese Art der Kausalkette gibt es einfach nicht, schon allein deshalb nicht, weil wir in Ernährungsstudien immer nur Korrelationen sehen (=zwei Faktoren treten zusammen auf) und keine Ursache-Wirkungs-Beziehung (=ein Faktor verursacht den anderen). Es kommt immer auf die Gesamtzusammensetzung der Nahrung und die Gewichtung von einzelnen Lebensmitteln an, denn jede Art von einseitiger Ernährung wird sich immer eher suboptimal auf den Körper auswirken. Und falls Menschen mit Autoimmunerkrankung die Erfahrung machen, dass es ihnen besser geht, wenn sie ein bestimmtes Lebensmittel weglassen, dann bitte genau hinschauen, was sich eventuell noch alles verändert hat. Als ich Low Carb gegessen habe, MUSSTE ich zwangsläufig mehr (frisch) kochen, ich konnte viel weniger verarbeitete Lebensmittel essen und dadurch hat sich automatisch der Nährstoffgehalt meiner Nahrung erhöht, weil ich versucht habe den fehlenden Sättigungseffekt der nicht vorhandenen Kohlenhydrate beispielsweise mit Salat und Gemüse zu erreichen. Als Ernährungswissenschaftlerin würde ich auf jeden Fall empfehlen, so nährstoffreich und abwechslungsreich wie möglich zu essen – das aber mit reduktionistischen Ansatz wie “keine Kohlenhydrate” zu verbinden, dient nicht wirklich unserer Gesundheit.

      Liebe Grüße!

      1. Irene/Hella

        Liebe Antonie,

        vielen herzlichen Dank!
        Was für eine ausführliche Antwort!! ❤
        So habe ich es mir nämlich schon gedacht: niemand weiß es und vor lauter Hilflosigkeit wird irgendeine Aussage heraus gehauen. Und das mit einer Vehemenz, dass man denkt: mit dem nächsten Brötchen verursache ich bestimmt den nächsten Krankheitsschub!
        Super für den Arzt, den der Patient hat automatisch das Gefühl, es ja selbst verbockt zu haben.
        Kurz und gut: das Beste ist nach wie vor abwechslungsreiche und möglichst wenig verarbeitete (also frisch, selbst gekocht, etc.) Nahrung!

        Hach Danke! Damit hast Du mir jetzt den letzten Diätdämon aus meinem Leben vertrieben!!
        ❤❤❤

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